RAUBZUG IM SCHWIMMBAD

Es war ein verregnetes Wochenende. Die Diebe saßen unter einem Baum und grübelten. Wen sollten sie diesmal ausrauben? Diese Frage wälzten sie hin und her. „Ich weiß es!“, rief der eine plötzlich: „Wir machen einen Raubzug im Schwimmbad!“ – „Häää?“, der andere verstand die Idee überhaupt nicht: „Da sind doch alle fast nackt. Wie sollen wir sie dann ausrauben, wenn sie ihre Geldbörsen nicht bei sich haben?“ – „Du bist dumm wie ein Stück Laugenbretzel ohne Butter und Salz!“, ärgerte sich der erste Dieb: „Wenn alle fast nackt sind, wo haben sie dann ihre Geldbörsen hingesteckt?“ – „Bei ihren Sachen am Platz?“, entgegnete der zweite Dieb, aber er war sich nicht sicher, ob das die richtige Antwort war. „Genau! Und diese Geldbörsen schnappen wir uns, wenn die Leute gerade schwimmen gegangen sind!“ Jetzt begriff auch der zweite Dieb und die beiden machten sich auf zu ihrem Raubzug. 

Zur gleichen Zeit schaute ein Papa und seine zwei Kinder aus ihrem Kinderzimmer Fenster dem Regen zu. „Lasst uns doch schwimmen gehen“, schlug der Papa vor. „Au ja!“, riefen die beiden Brüder und packten sofort ihre Rucksäcke. Der Größere nahm seine Bälle mit, denn er liebte es, seinem Papa im Wasser Bällen zuzuwerfen und sie zu fangen. Der Jüngere packte seine Schwimmflügel ein. Er hatte zwar schon einen Schwimmkurs absolviert aber ganz so sicher war er sich beim Schwimmen noch nicht. Außerdem mussten unbedingt seine Taucherbrillen mit. Denn Tauchen das konnte er schon ziemlich gut. Ihr wisst sicher schon, wer die beiden Kinder und dieser Papa waren, die jetzt gemeinsam ins Schwimmbad fuhren. Es waren die Brüderdetektive.

Dort angekommen sprangen sie sofort ins Wasser. Der Ältere spielte mit einem Papa Fußballtorwart und der Jüngere tauchte in der Zwischenzeit nach Schätzen am Grund des Schwimmbeckens. Doch irgendetwas stimmte hier nicht. Den Brüdern fiel auf, dass immer mehr Familien aus dem Wasser stiegen und zu ihren Plätzen gingen, wo ihre Handtücher und ihre Rucksäcke lagen. Dort durchsuchten sie ihre Habseligkeiten und diskutierten aufgeregt miteinander. Die beiden Brüder fragten einige Kinder, was ihre Eltern denn verloren hatten. „Nichts“, entgegneten die Kinder bekümmert: „Jemand hat das Geld und ihre Handy gestohlen!“ Die Brüderdetektive stiegen sogleich aus dem Wasser, trockneten sich kurz ab und liefen zu den Eltern: „Wir helfen euch und klären den Fall auf“, riefen sie.

Zu dieser Zeit waren die Brüderdetektive in ihrer Stadt aber noch nicht sehr bekannt. Viele Badegäste belächelten die beiden Jungs nur: „Ist seid doch noch Kinder“, meinten sie: „Kinder können doch keine wirklichen Fälle lösen. Wir rufen lieber die Polizei.“ . „Ja, wir sind noch Kinder“, stimmten die Brüderdetektive den Erwachsenen zu: „Wir sind auch nicht besonders groß oder für unser Alter außergewöhnlich stark. Aber wir sind schlau und wir halten zusammen. Und das hilft uns, Fälle zu lösen.“. Die Eltern nickten höflich aber sie glaubten den Brüderdetektiven nicht wirklich. Sie telefonierten lieber mit der Polizei. Die beiden Kinder wiederum steckten Ihre Köpfe zusammen und kombinierten. „Vielleicht sind die Diebe ja noch da“, meinte der Ältere. „Sie müsste ja eigentlich etwas zum Anziehen anhaben, sonst könnten sie ihr Diebesgut nicht verstecken.“ Die Brüderdetektive blickten sich um. Die meisten Badegäste hatten Badeanzüge an. Einige liefen auch mit Bademäntel herum. „Da!“, rief der Jüngere, der sehen konnte wie ein Luchs: „Er zeigte auf zwei Gestalten in Bademäntel. Die Taschen der Mäntel waren dick ausgebeult und die Brüder konnten sehen, dass die beiden unter dem Bademantel ganz normale Kleidung trugen. „Das ist merkwürdig“, meinte der Ältere. „Das ist mehr als merkwürdig“, rief der Jüngere. Er hatte diesmal keine Wasserbomben dabei. Also schnappte er sich einen Ball von seinem Bruder, holte aus, warf und, Zack! traf einen der beiden auf dem Kopf. Der rutschte auf dem glitschigen Kachelboden des Schwimmbads aus und fiel zu Boden. Dabei flogen Geldbörsen und Handys aus seinem Bademantel. „Das sind die Diebe“, erkannte der Ältere, nahm sogleich einen zweiten Ball und warf ihn auf den anderen Dieb. Boing! „Aua“, jaulte dieser und verlor das Gleichgewicht. Er hielt sich an seinem Komplizen fest und beide fielen ins Wasser. Platsch! „Ich hasse Wasser!“, schrie einer der Diebe und der andere jammerte noch lauter: „Ich hasse Wasser noch viel mehr“- „Das hättet ihr euch früher überlegen müssen“, riefen die Brüderdetektive und liefen los. Gerade als sich die Diebe wieder Rand des Beckens ins Trockene hochgezogen hatten, sprangen die beiden Kinder neben ihnen ins Wasser und machten eine Wasserbombe. Die Diebe wurden erneut von oben bis untern mit Wasser bespritzt. Sie verloren das Gleichgewicht und stützen abermals ins Schwimmbad. Platsch! Jetzt schaltete sich auch noch der Strudel ein, der alle 15 Minuten in dem Schwimmbad in Gang gesetzt wurde. Die Diebe wurden vom dem Sog des Wasser mitgerissen: „Ich kann nicht schwimmen!“, jammerte der Erste, obwohl das Wasser überhaupt nicht tief war und er ganz einfach hätte stehen können. „Rette mich!“, jaulte der zweite zu dem Ersten.

Es dauerte eine ganze Weile bis es den Dieben gelang, auf der Seite des Strudels aus dem Wasser zu krabbeln. Doch wieder waren die Brüderdetektive ihnen einen Schritt voraus. Sie hatten sich von Kindern Wasserpistolen ausgeborgt und schossen Wasserstrahlen auf die Diebe. Schon wieder wurden die Diebe von oben bis unten nass. „Aufhören!“ verlangten sie und hoben ihre Hände. Die Brüderdetektive stoppen, denn sie dachten, die Diebe wollten sich ergeben. Doch das war nur ein Trick der beiden Fieslinge und sie nutzen die Feuerpause, um sich von zwei anderen Kindern die Wasserpistolen zu stehen. Damit beschossen sie jetzt die Brüderdetektive und es wurde ein wilder Wasserkampf ausgefochten. Die beiden Brüder hielten sich hinter einer Säule versteckt und warteten darauf, dass den Dieben das Wasser in ihren Pistolen ausging. Dann holten sie zu ihrem Angriff aus. Sie rannten auf die Diebe zu und schossen Wasser auf sie. Die Diebe ließen ihre Wasserpistolen erschreckt fallen und flüchteten. 

„Hier die Treppe!“ rief der eine Dieb dem anderen zu und sie rannten eine Wendeltreppe nach oben. „Ha, ha, ha“ lachte der Andere. „Mit ihren kleinen Beinen werden sie hier nicht so schnell hinaufkommen!“ Doch oben auf der Treppe angekommen, verging dem Dieb das Lachen. Denn sie waren auf den Wasserrutschturm hinaufgerannt. Ihr einziger Ausweg war die dunkle Röhre der Wasserrutsche, die wieder nach unten führte. „Ich trau mich nicht“, flennte der eine. „Quatsch. Los!“, der andere stieß seinen Komplizen kurzerhand in die Röhre. 

Hiu! ging es da schnell bergab. Die Diebe wurden hin und her geschleudert. „Auauauau!“ jammerte der eine, „Oijoijoijoi“ wimmerte der andere, als sie in immer neue, scharfe Kurve hineingeworfen wurden. „Mir wird schwindelig!“, hörten man sie rufen und: „Ich will zu meiner Mama!“

Die Brüderdetektive sprangen hinterher. Sie hatten die Wasserrutsche ja schon oft ausprobiert. Der Ältere hielt seine Handflächen unter seiner Badehose und war so noch schneller. Der Jüngere rutschte auf dem Rücken und seine Schwimmflügel waren wie Stoßstangen, die ihn perfekt in den Kurven hielten. 

Als sie unten ankamen spritze eine große Welle erneut über die völlig erschöpften Diebe. „Wir geben auf“, jammerten sie und hatten nicht einmal die Kraft, sich aus dem seichten Wasser zu schleppen. Als die Polizei wenig später eintraf, begriff sie nicht gleich, warum sich die Diebe einfach ergaben und ihnen sofort das Versteck der Geldbörsen und Handys zeigten. Aber als sie die beiden Brüderdetektive sahen, war ihnen alles klar. Die Polizei nämlich kannte die mutigen Detektive schon von früheren Abendteuern. 

Daraufhin wurden die Diebe abgeführt und ins Gefängnis gesteckt. Die Brüderdetektive aber durften an diesem Tag so lange im Schwimmbad bleiben, wie sie wollten. Es war schon dunkel, als sie schließlich heimfuhren. Ihre Handflächen waren ganz schrumpelig von dem vielen Wasser. Und wenn sie zu den Straßenlaternen blickten, hatten diese Streifen wie Kometen. „Das ist, wenn das viele Chlor vom Wasser in einem Schwimmbades in eure Augen kommt“, erklärte ihnen ihr Papa. Aber den beiden Kindern war es egal, warum es so war, wie es war. Sie fanden es gemütlich, mit schrumpeligen Händen müde heimzufahren und überall um sich herum, Kometen zu sehen. 

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