
Nachdem die Diebe dieses Mal aus dem Gefängnis entlassen wurden, wollten sie nicht mehr zurück in ihre Stadt. Denn gegen die Brüderdetektive, das wussten sie, konnten sie nicht ankommen. So reisten sie nach Süden und es verschlug sie nach Österreich. Dort setzten die Diebe es sich in den Kopf, weit oben auf einem Berg einen Raubzug zu begehen. Denn hier, so dachten die beiden, würden die Brüderdetektive sie niemals ausfindig machen können. „Aber was“, fragte ein Dieb den anderen: „kann man auf einem Berg schon groß ausrauben?“ – „Berghütten natürlich!“, entgegnete der andere sofort. Er wusste nämlich, dass man auf vielen Hütten noch mit barem Geld bezahlen musste und keine Kreditkarten verwenden konnte. Daher hatten die Hüttenwirte oft viel Geld dabei.
Was die Diebe aber nicht bedacht hatten, war, dass es die Herbstferien waren und ein Papa beschlossen hat, mit seinen zwei Kindern ein Bergabenteuer in Österreich zu erleben. Sogar auf einer Berghütte wollten die drei übernachten. Und ihr wisst sicher schon, wer die beiden Kinder und der Papa waren, die ich hier meine. Es waren natürlich die Brüderdetektive.
Sie stiegen also mit ihrem Papa auf einen Berg in Österreich. Doch als sie an ihrem Ziel ankamen, war die Hütte versperrt. Ein Schild an der Tür besagte, dass Übernachtungen nicht möglich seien. Ihr Papa klopfte und erkundigte sich bei den beiden Hüttenwirten. Diese klagten, dass sie ausgeraubt worden waren. Nicht nur ihr Geld sei verschwunden, nein, auch die Eier aus der Küche haben die Diebe mitgenommen. Deshalb könnten sie heute keine Gäste aufnehmen und auch keine Speisen auftischen, entschuldigten sich die beiden Wirte. Die Polizei werde im Laufe des Tages kommen. Aber das wird leider dauern, denn ein Sturm soll aufziehen.
Die beiden Brüder hatten natürlich alles mit angehört und drängten sich nun nach vorn.“Wir helfen euch und lösen den Fall“, riefen sie sogleich. Die beiden Hüttenwirte schauten verdutzt und waren skeptisch. Hier oben hatten sie noch nie von den berühmten Brüderdetektiven aus Leipzig gehört.
Doch als der Ältere seinen Detektivkoffer hervorholte, den er immer dabei hatte, und die beiden begannen, Beweise zu sammeln, sahen die Wirte bald, wie geschickt die beiden Kinder waren. „Hier müssen die Diebe herausgekommen sein“, sagte der Jüngere und zeigte auf zwei Paar Fussspuren, die unter dem Küchenfenster begannen. Der Ältere nickte: „Sie sind aus dem Fenster gesprungen und hier weiter gelaufen“ stellte er fest und zweigte auf eine Spur, die von der Berghütte wegführte. „Aber dieser Weg führt doch zu einer gefährlichen Schlucht“, merkte einer der Hüttenwirte an. „Dann müssen wir die Diebe verfolgen und aufspüren“, entgegneten die Brüderdetektive gleichzeitig und folgten sogleich den Fussspuren. Ihr Papa trottete ihnen hinterher. Ständig hatte er Angst, dass seine Kinder ausrutschen und abstürzen würden. „Aber Papa“, rief der Jüngere ihm zu: „Wir passen doch auf und sind vorsichtig. Aber wir müssen uns beeilen“.
Denn es gab noch einen weiteren Grund, warum die Brüderdetektive die Diebe unbedingt schnell finden wollten. Sie hatten nämlich gut zugehört und wussten, dass ein Unwetter aufziehen wird. Und die Diebe hatten sicher keine Ahnung, wie man auf einem Berg ein Gewitter überstehen kann.
Ein Berg war nämlich eine gefährliche Sache, wenn es stürmte und donnerte. Man konnte leicht auf den nassen Steinen ausrutschen und sich den Knöchel verstauchen. Wenn Nebel dazukam, fand man seinen Weg womöglich nicht und verirrte sich. „Wissen die Diebe überhaupt, dass man sich bei einem Gewitter nie unter einem Baum stellen darf“, fragte der Jüngere seinen Bruder besorgt
Die Wolken brauten immer mehr zusammen und es wurde dunkler. Die Brüderdetektive riefen: „Diebe! Wo seit ihr! Es kommt ein Unwetter! Ihr müsst zurück zur Berghütte!“ Doch die Diebe antworteten nicht. Sie glaubten wohl, dass es sich dabei um eine List der Brüderdetektive handelte und auf der Berghütte die Polizei schon auf sie wartete. Wie dumm die Diebe doch waren.
Als die ersten Regentropfen fielen und sich die Kinder ihre bunten Regenjacken anziehen mussten, steckten die beiden Brüder ihre Köpfe zusammen. „Wir müssen uns einen Trick ausdenken“, überlegte der Ältere: „Du hast doch auf dem Weg zur Hütte diese schönen Steine gesammelt“ – „Ja!“, antwortete der Jüngere und wusste sogleich, auf was sein Bruder hinauswollte: „Wir machen es wie bei Hänsel und Gretel“, rief er aus.
Der Ältere drehte sich jetzt zum Wald und rief ganz laut: „Oje, ich glaube wir finden die Diebe nicht. Wir laufen lieber zur Berghütte zurück und zünden ein Feuer im Kamin an.“ Der Jüngere stellte sich neben seinen Bruder und rief noch lauter: „Ich lasse ein Spur mit Steinen zurück, damit wir wieder hierher finden, wenn das Gewitter vorbei ist“. – „Genau“, ergänzte sein Bruder: „Zum Glück kann man die Berghütte immer leicht finden. Man muss nur dem Rauch folgen, der aus dem Schornstein kommt.“ – „Nur muss man schnell genug sein, bevor der Nebel kommt, sonst sieht man nämlich gar nichts mehr“, ergänzte der Jüngere noch. Dann machten die Brüderdetektive kehrt und gingen zurück zur Berghütte. Immer wieder lies der Jüngere dabei einen Stein aus seiner Hosentasche auf den Weg plumpsen. Ihr Papa sah das und schütteltet seinen Kopf: „Aber wenn ihr die Steine zurücklässt, können Euch ja auch die Diebe bis zur Berghütte folgen“, rief er erschrocken. Da grinsten die beiden Kindern und zwinkerten ihrem Papa zu: „Das ist doch der Plan“, flüsterten sie.
Als die drei wieder an der Berghütte ankamen, machten die Kinder mit den Hüttenwirten sogleich ein Feuer im Kamin. Sie gingen vor die Tür, um zu sehen, ob auch wirklich Rauch aus dem Schonstein aufstieg. Dann setzten sich alle zum Kamin und warteten.
Und wirklich! Nicht viel später kamen die völlig durchnässten Diebe zur Berghütte. Sie waren den Steinen gefolgt und hatten den Rauch aus dem Schornstein gesehen. So haben sie den Weg wieder zurück gefunden. „Wir ergeben uns“ riefen sie und schlotterten dabei. Die beiden Brüderdetektive grinsten. Sie machten die Tür auf und ließen die Diebe eintreten. Dann gaben die Diebe das Geld und die Eier zurück. Mit den Eiern machten die Hüttenwirte einen Kaiserschmarren und alle aßen, bis keiner mehr einen Bissen herunterbrachte. Seitdem ist Kaiserschmarren mit Apfelmus das Lieblingsgericht der Brüderdetektive.
Dieses Mal übergaben die Brüderdetektive die Diebe nicht an die Polizei. „Ihr habt hoffentlich gelernt, dass man auf Bergen vorsichtig sein muss“, schärften sie den Dieben ein. „Ja, ja. Entschuldigung.“, gaben die Diebe kleinlaut zu. Dann gingen alle schlafen. Als die beiden Kinder am nächsten Tag in der Früh von der Sonne geweckt wurden, waren die Diebe bereits verschwunden. „Ich glaube, wir sehen sie bald wieder“, sagte der Jüngere zum Älteren. Der lachte und nickte. Dann schulterten sie ihre Rucksäcke und machten eine große, schöne Wanderung mit ihrem Papa.