DIE ZERTRAMPELTEN BLUMEN

Als die Brüderdetektive sich eines Dienstag morgens auf ihre Räder schwangen, um zum Kindergarten und in die Schule zu fahren, trauten sie ihren Augen nicht. Überall in der Stadt waren die Blumen zertrampelt. Beim Zebrastreifen kamen ihnen Kinder entgegen, die traurig berichteten, dass auch bei ihnen in den Gärten, alle Blumen- und Gemüsebeete zerstört worden waren. „Wer kann das gewesen sein?“, fragten sich die Kinder. Die Brüderdetektive aber wussten: Das war ein neuer Fall für sie.  

Gleich nach dem Kindergarten und der Schule machten sich die Brüderdetektive also ans Werk. Der Größere holte seinen Detektivkoffer hervor und die beiden untersuchten die zertrampelten Blumen. Fingerabdrücke konnten sie nicht feststellen. Dazu waren die Beete zu sehr verwüstet. Aber in der matschigen Erde fanden sie dennoch einen wichtigen Beweis: Den Abdruck von Schuhen. Gleich holten sie ihren Papa. „Papa, kannst du bitte von unserem Keller, die Kiste mit dem Werkzeug und den Sachen für die Ausbesserungsarbeiten holen?“, fragten seine Kinder. Ihr Papa blickte verwundert: „Aber damit kann ich die Blumen leider nicht wieder heil machen“, meinte er traurig. „Aber Papa!“, rief der Kleinere: „Das das ist doch klar!“ Den beiden Brüderdetektiven ging es doch um das Säckchen Gips, das in der Kiste lag. Diesen Gips verrührten die Brüderdetektive nämlich mit Wasser und gossen damit die Schuhabdrücke aus. So hatten sie es einmal in einer Fernsehsendung über Detektive gesehen. Als der Grips getrocknet war, konnte man ihn aus dem Matsch herausnehmen. So bekamen die beiden Brüder den perfekten Abdruck der Schuhe, die dieses Blumenbeet zertrampelt hatten. 

„Das war aber schlau von Euch“, meinte ihr Papa beeindruckt, als er den Gipsabdruck inspizierte. Die Kinder zwinkerten ihm zu und düsten los. Denn nun wollten sie nachsehen, ob es in den anderen Blumenbeeten die gleichenFußspuren gab. Sie stellten ihre Untersuchungen an und wirklich: In allen Beeten fanden sie den gleichen Abdruck von zwei Schuhpaaren. „Wem auch immer diese Schuhe gehören, das sind die Schuldigen, die die Blumen zertrampelt haben“, kombinierten die Brüderdetektive. „Aber wie sollen wir sie finden?“, fragten sie sich. Der Jüngere nahm eine Lupe aus dem Detektivkoffer und untersuchte die Umgebung. „Schau“, rief er und zeigte auf Erdkrümel auf dem Gehweg am Rande des Beetes. Der Ältere wusste sofort, was sein Bruder meinte.

„Los, lass uns die Erdstückchen verfolgen“, rief der Ältere und die beiden machten sich mit der Lupe sofort ans Werk. Immer wieder entdeckten sie kleine Lehmklumpen aus den Blumenbeeten auf dem Gehweg. 

Als sie gerade um eine Ecke bogen, kamen sie an einem Blumenstand vorbei, der kurz zuvor an der Strassenecke aufgebaut worden war. „Blumen! Frische Blumen!“ riefen zwei komische Gestalten. Die Brüder stoppten: „Wollen wir unseren Papa eine Blume mitbringen, damit er nicht so traurig ist“, fragte der Jüngere den Älteren. „Diese Blumen kosten 100Euro“, rief einer der beiden Gestalten zu den Brüderdetektive hinüber. „Was?“, entgegnete der Ältere empört. Er konnte schon gut mit Zahlen umgehen und wusste, dass 100 Euro viel zu viel Geld für eine einzelne Blume war. „Schon mal was von Angebot und Nachfrage gehört, du Drei-Käse-Hoch?“, ätzte die andere der beiden Gestalten. Wieder wusste der Älterer, was gemeint war. Er hatte das Prinzip im Sachunterricht schon einmal gelernt. Wenn es von etwas viel gibt, dann ist es meistens billig. Und wenn es etwas nicht oft gibt und viele Menschen es haben wollten, dann ist es teuer. „Eben“, feixte der zweite Blumenverkäufer: „Es gibt keine Blumen mehr in der Stadt. Also kosten neue Blumen jetzt 100Euro!“

Die beiden Brüder steckten ihre Köpfe zusammen. „Es ist doch eigenartig, dass dieser Stand genau dort ist, wo die Erdstückchen hingeführt haben“, kombinierte der Ältere. „Hast du die Schuhe der Verkäufer gesehen?“, antwortete der Jüngere, der immer ganz genau hinschaut. „Das könnten die Schuhe sein, die wir suchen“, ergänzte der Ältere den Gedanken seines Bruders. „Aber wie können wir das überprüfen?“, grübelten die beiden Detektive und hatten schnell eine Idee. 

Die beiden Brüder versteckten sich hinter einem Baum. Der Jüngere holte seine Wasserbomben hervor und schoss sie auf die seltsamen Blumenverkäufer. Die Wasserbombe klatschte kurz vor den beiden auf den Asphalt. Hoppala. Ein Fehlschuss? Nicht im Geringsten. Denn das Wasser spritze die Schuhe der beiden Verkäufer ganz nass. „Wäh!“, empörte sich einer. „Ich hasse Wasser!“, ärgerte sich der andere. Sogleich kamen die Brüderdetektive hervor. „Oh, das tut uns aber leid“, entschuldigte sich der Jüngere und musste sich konzentrieren, um nicht zu kichern: „Ich wollte meinen Bruder treffen“, behauptete er. „Ja, genau“, stimmte der Ältere ihm zu: „Immer will er mich abschießen“ Die beiden Kinder zwinkerten sich zu. „Unsere Schuhe sind ganz nass!“, regten sich die Verkäufer auf. „Kein Problem“, erwiderte der Ältere: „Wir trocknen die Schuhe für euch. Ihr müsst sie nur ausziehen.“ Die beiden Gestalten überlegten kurz. Dann zogen sie ihre Schuhe aus und übergaben sie den Brüderdetektiven. Die Kinder rümpften die Nase. „Die stinken aber“, raunte der Jüngere dem Älteren zu. „Stimmt“, presste sein Bruder hervor und hielt sich die Nase zu. Mit seiner anderen Hand aber fischte er die Gipsabdrücke der Schuhe von den zertrampelten Beeten hervor. Die beiden Brüderdetektive verglichen die Gipsabdrücke mit den beiden Schuhen der seltsamen Blumenverkäufer. Es gab keinen Zweifel. Die Schuhe passten perfekt auf die Gipsabdrücke. Die beiden Gestalten hatten also die Blumen absichtlich zertreten, damit sie neue Blumen dann teuer verkaufen konnten. „Ihr seid die Blumendiebe!“, riefen die Brüderdetektive: „Wir rufen die Polizei!“ – „Das werdet ihr schön sein lassen“, drohten die beiden Verkäufer, die eigentlich Diebe waren, und zogen sich ihre Schuhe wieder an. „Los!“, rief einer zu dem anderen: „Lass uns diese vorlauten Kinder einfangen, bevor sie Hilfe holen!“ 

Die beiden Diebe versuchten sich auf die Brüderdetektive zu stürzen. Aber sie haben nicht damit gerechnet, wie schlau die Kinder waren. Unbemerkt hatten sie nämlich die beiden Schuhbänder der Diebe zusammengeknotet. Als die Diebe jetzt versuchten, die Brüderdetektive zu fangen, fielen sie der Länge nach hin. Platsch! Einer der Diebe versuchte sich noch an den Blumenstand festzuhalten. Doch die Diebe hatten den Stand zuvor nicht gut aufgebaut und die Schrauben vergessen, die alles fest zusammenhalten. Der Blumenstand, kippte zur Seite und krachte ein. Die Diebe wurden darunter begraben. „Auauauau!“, jammerte einer der Diebe. „Ich komm nicht mehr raus“,klagte der andere.

Schnell liefen die Brüderdetektive nach Hause um ihren Papa zu holen. Der rief sofort die Polizei an, die wenig später bei dem zusammengefallenen Blumenstand eintraf. Noch immer waren die Diebe unter dem Blumenstand gefangen und konnten sich nicht befreien. „Wir ergeben uns“, riefen sie niedergeschlagen, als sie die Polizei sahen. 

Die Polizisten verhafteten die beiden Diebe und führten sie ab. Dann klopften sie dem Papa auf die Schultern und schüttelten ihm die Hand: „Das haben sie toll gemacht“, lobten sie: „Ganz allein haben sie die gefährlichen Diebe ausgeschaltet“. Der Papa kratze sich am Kopf, dann begriff er und rief: „Das war doch nicht ich! Das waren meine Kinder!“ – „Wie?“, die Polizisten verstanden das nicht: „Aber ihre Kinder sind ja noch… Kinder!“, riefen sie. Diese Geschichte, das müsst ihr wissen, spielte nämlich zu einer Zeit, als die Brüderdetektive noch nicht sehr bekannt waren. 

„Ja“, sprach jetzt der Älterer der beiden Brüderdetektive: „Wir sind Kinder. Ich gehe noch zur Schule und mein Bruder noch in den Kindergarten.“ – „Wir sind weder besonders stark noch für unser Alter besonders groß“, ergänzte der Jüngere. „Aber wir halten zusammen“,  riefen beide gemeinsam: „Und wir sind schlau! Und so lösen wir viele Fälle.“. Die Polizisten waren beeindruckt und nahmen die Brüderdetektive mit auf die Polizeiwache. Die beiden Kinder mussten in allen Details erzählen, wie sie den Fall gelöst hatten und die Polizisten zeigten den Brüderdetektiven viele interessante Dinge, mit denen sie Verbrechen aufklärten. Seitdem weiß die Polizei der Stadt, wer die Brüderdetektive sind und holt sie manchmal, um ihnen bei kniffligen Fällen zu helfen.  

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