
Es war der fünfte Dezember und jedes Kind weiß, was man am Abend des 5. Dezembers macht. Natürlich! Man stellt seine Schuhe vor die Tür, damit der Nikolaus Süßigkeiten und manchmal auch ein kleines Geschenk in der Nacht dort hineinstecken kann.
Auch die Brüderdetektive putzten an diesem Abend ihre Schuhe und verglichen, welche davon die Größten waren. Nachdem sie alles gut ausgemessen hatten, stellten sie ihre Stiefel vor die Tür. Denn in ihren Stiefeln, da waren sich die Brüder sicher, war genug Platz für alle Süßigkeiten und Geschenke.
Als die beiden Kinder am nächsten Morgen aber erwachten und ihre Haustür öffneten, waren die Stiefel leer! Die Brüder blickten sich verwundert und auch ein wenig enttäuscht an. Ihr Papa, der hinter ihnen verschlafen zum Vorschein kam, kratze sich am Kopf. Er konnte es auch nicht verstehen. Warum hatte der Nikolaus sie vergessen? Aber sie konnten nicht zu lange darüber nachdenken, denn es war ein Schultag. Sie mussten sich fertig machen.
Wenig später schwangen sich die beiden Brüder auf ihre Fahrräder. Während sie den Gehweg hinab düsten, sahen sie überall Kinder mit traurigen Gesichtern zu ihren Schulen und Kindergärten trotten. „Was ist denn los“, fragten sie einige Kinder und immer wieder bekamen sie die gleiche Antwort: „Der Niklaus hat uns vergessen“, riefen sie bekümmert. Die Brüderdetektive stoppten und blickten sich an. „Glaubst du?“ fragte der Ältere seinen Bruder. „Ja, ich glaube“, entgegnete der, weil er wusste, was sein Bruder dachte: Hier stimmte etwas nicht. Denn, dass alle Kinder der Stadt vom Nikolaus vergessen worden sind, konnte ja wohl nicht mit rechten Dingen zugehen.
Gleich nach der Schule holte der Ältere deshalb seinen Detektivkoffer hervor und die beiden Brüder begannen die Schuhe der Kinder auf Fingerabdrücke und Spuren zu untersuchen. Doch zuerst konnten sie nichts Auffälliges finden. Wer auch immer die Süßigkeiten genommen hatte, war schlau genug gewesen, Handschuhe zu tragen. Doch da hob der Jüngere etwas mit seiner Detektivpinzette auf und hielt es gegen die Sonne. Es funkelte und blitze. „Was ist das?“, fragte der Ältere. „Es ist ein Stück Einwickelfolie eines Schokoladen-Nikolauses!“, antwortete der Jüngere und beide wussten: Das war ein wichtiger Beweis. Sofort blicken sie sich nach weiteren Folienstückchen um. Und wirklich: weiter hinten blitzte schon wieder etwas.
„Ich glaube, die Diebe haben Schokoladen Nikolause aufgegessen, während sie alle Süßigkeiten gestohlen haben.“ kombinierte der Jüngere – „Wir müssen also nur dem weggeworfenen Einwickelpapier folgen, um sie zu finden“, ergänzte sein Bruder triumphierend.
Gesagt getan. Die Brüder verfolgten die Spur der Einwickelfolien. Zum Glück war es ein schöner Tag und die Rückseite dieser Papierchen war silber. So konnten sie die Folie immer wieder im Sonnenlicht glitzern sehen.
Schließlich kamen die Brüderdetektive zu einem Haus, hinter dem sich ein kleiner Schuppen befand. Ganz leise schlichen sie sich heran. Aber sie mussten eigentlich gar nicht leise sein, denn sie konnte schon von von weitem die beiden Diebe hören: „Auauauauau“, jammerte der eine. „Oijoijoijoi!, wimmerte der andere. Denn die beiden hatten fürchterliches Bauchweh. Das war ja auch klar, wenn man so viel Schokolade auf einmal gegessen hat. Offenbar ging es den Dieben aber nicht so schlecht, dass sie nicht mehr miteinander streiten konnten. „Das ist alles deine Schuld!“, rief der Eine wütend. “Ich hab doch gesagt, du sollst die Schokolade erst zuhause essen!“ – „Na und! Du hörst dich ja an wie meine Mama! Außerdem hast du ja genau soviel gegessen“, brüllte der Andere aufgebracht zurück.
Die Brüderdetektive hatten sich inzwischen ganz nah an ein offenes Fenster herangeschlichen und kicherten. Der Jüngere zückte schon seine Wasserbomben, die er für alle Fälle immer dabei hatte. Doch sein Bruder stoppte ihn: „Warte noch“, meinte er und die beiden lauschten wieder. „Ich muss aufs Klo“ rief ein Dieb jetzt. „Ich aber zuerst“, gab der andere zurück und schon schleppten sich beide Richtung Eingangstür.
Darauf hatte der Ältere nur gewartet: „Los schnell!“, flüsterte er und die beiden Brüder liefen geduckt um das Haus. An der Haustür angekommen, öffneten sie diese einen Spalt und schnappten sie sich den Schlüssel, der Innen ins Schloss gesteckt war. Damit versperrten sie die Eingangstür von Aussen. Warum machten die Brüderdetektive das, fragt ihr euch vielleicht. Naja, die Beiden hatten sich davor gut umgeschaut und bemerkt, dass der Schuppen keine eigenes Badezimmer hat. Um auf die Toilette zu gehen musste man also quer durch den Garten ins Haus laufen.
Als die Diebe jetzt zur Tür kamen konnten sie nicht mehr hinaus. „Häh? Was soll das?“, fluchte der eine. „Warum ist die Tür versperrt?“, fragte der andere, der immer ein bißchen länger brauchte, um etwas zu verstehen.
„Hallo Diebe“, riefen die beiden Detektive von der anderen Seite: „Wir lassen euch nur heraus, wenn ihr allen Kindern die Schokolade zurück gebt“. Als die beiden Diebe erkannten, dass die Brüderdetektive sie ausgetrickst hatten, fluchten sie so wild, dass man es hier gar nicht wiederholen darf. Doch schließlich gaben sie auf, denn das Bauchweh wurde immer schlimmer und sie mussten wirklich dringend aufs Klo „Wir ergeben uns!“ jammerten sie. Daraufhin öffneten die beiden Detektive die Tür und die Diebe rannten an ihnen vorbei, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen.
„Ah, da seid ihr ja“, rief ihr Papa, der beim Gartentor stand und winkte. Er hatte sich schon ein wenig Sorgen um seine Kinder gemacht und ist sie suchen gegangen. Die beiden Brüder erzählten ihm, was passiert war und ihr Papa telefonierte daraufhin mit der Polizei. Als die Diebe später aus der Toilette kamen, wurden sie von zwei Polizisten festgenommen. „Müssen wir wieder ins Gefängnis“ jammerten sie kleinlaut. Doch die Brüderdetektive hatten eine bessere Idee:
Die Diebe mussten sich als Nikolaus verkleiden und den ganzen restlichen Tag den Kindern ihre Süssigkeiten zurück geben. Die Polizisten und ihr Papa kamen mit, um sicherzustellen, dass die Diebe sich nicht vor der Arbeit drückten. Ihr Papa zählte dabei immer wieder die Süssigkeiten, rechnete alles in seinem Kopf durch und kratze sich am Kopf. Ihr Papa kratzte sich nämlich immer am Kopf, wenn er etwas nicht verstand. „Das kann doch nicht funktionieren“, murmelte er vor sich hin, nachdem er zum 17. Mal die Süßigkeiten abgezählt hatte: „Da fehlt doch das, was die beiden Diebe vorher schon gegessen haben“. Seine beiden Söhne schmunzelten nur: „Das ist schon okay“, meinten sie zu ihrem Papa: „Wir verzichten auf unsere Schokolade, dann haben alle Kinder genug Süßigkeiten.“ – „Und ihr wollt gar nichts davon“, fragte ihr Papa ungläubig. Die beiden Brüder schüttelten ihre Köpfe und grinsten. Doch in Wahrheit waren sie doch ein ganz klein wenig traurig. Die Brüderdetektive waren ja auch Kinder und wie die meisten Kinder liebten sie Schokolade. Aber manchmal gab es eben Dinge, die einfach wichtiger waren als Süßigkeiten.
„Müssen wir jetzt ins Gefängnis“, fragten die Diebe, als sie endlich fertig waren. Die Brüderdetektive schüttelten erneut ihre Köpfe: „Es ist ja fast Weihnachten“, sagten sie: „Ihr könnt gehen“. Das ließen sich die Diebe nicht zwei Mal sagen. So schnell konnte man nicht schauen, waren sie verschwunden.
An diesem Abend, versammelten sich alle Kinder der Stadt im Garten der Brüderdetektive. Ihr Papa machte ein Feuer in der Feuerschale und jemand hatte Marshmellows mitgebracht. Die Kinder schnitzen sich kleine Steckchen von einem heruntergefallenen Ast und brieten die Marshmellows über dem Feuer. Bis spät nach ihrer Schlafenszeit durften die Kinder an diesem Abend aufbleiben und im nächtlichen Garten spielen. Als sie schließlich dann doch in ihren Betten lagen, waren sich die beiden Brüder einig: Das war der schönste Nikolaustag, den sie je erlebt hatten.